Olperer Überschreitung

Zu Dritt machten wir uns auf den Weg ins Zillertal. Vom Schlegeisspeicher begannen wir den Aufstieg zur Olperer Hütte. Dort angekommen waren wir erstmal beeindruckt von der langen Menschenschlange am Insta-Hot-Spot der Zillertaler Hängebrücke.

Wir nutzten allerdings den Nachmittag für ein sinnvolleres Vorhaben: der Suche des „neuen Zugstieges“ zum Tuxer Ferner.

Am Abend traf schließlich noch – nicht ganz zufällig – eine weitere 5er-Seilschaft aus Burghausen ein. Der Entscheidung war schnell getroffen, dass man sich am nächsten Tag gemeinsam auf den Weg machen würde.

Pünktlich um 5 Uhr standen alle bereit. Die ersten 1,5 Stunden kamen wir problemlos voran. Dann begann die Suche nach dem “neuen Weg“. Diese Suche führte uns durch wegloses, steinschlaggefährdetes, teilweise exponiertes Gelände. Hier blieb viel Zeit auf der Strecke, während wir unten am „alten Weg“ die anderen Bergsteiger gemütlich vorbeimaschieren sahen.

Irgendwann standen wir doch am Tuxer Ferner. An diesem Abschnitt ist nicht mehr viel von der ursprünglichen Bergwelt zu sehen: Wir fanden uns zwischen denmit Planen verhüllten Schneeresten und der mit Zivilisationsabfällen gespickten Skipiste wieder.

An der Wildlahnerscharte. wurde es wieder spannend: ein 40 Grad steiles, mit Spalten gespicktes Blankeiswandl gab es zu überwinden. Ausgerüstet mit vielen Eisschrauben konnten wir uns alle gemeinsam in drei Seillängen bis zum Felseinstieg hoch arbeiten.

Hier begann eine schöne abwechslungsreiche Kletterei. Teilweise unterstützten uns Metallbügel (sog. Entenschnäbel) beim Kraxeln. Dennoch war es sinnvoll den weiteren Aufstieg mit Seilsicherung zu gehen. Es war zu ausgesetzt. Etwas Stress verursachte in der Zwischenzeit ein einzelne drohende Gewitterwolke, die sich über uns festsetzte – aber zum Glück dann doch weiter zog.

Am Gipfel angekommen, hielten wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht lange auf. Der Riepengrat für den Abstieg lag noch vor uns und verlangte auch noch unsere volle Aufmerksamkeit.

In angenehmer Kletterei kamen wir bis zu einer Abseilstelle. Von hier gelangten hier wir schnell auf den sogenannten Schneegupf. Im Anschluss an der Schneefeldquerung suchten wir uns wieder durch gefühlt endloses Blockgelände bis hinunter zum Wanderweg der uns zur Hütte leitete.

Hier gab es für alle noch eine schnelle Stärkung und einen Olperer-Gipfel-Schnaps vom Wirt. Die letzte Stunde Abstieg stand uns noch bevor. Kurz nachdem wir mit unserem schweren Gepäck am Auto ankamen, begann es schon leicht zu regnen.- Was haben wir für ein Wetterglück!

Vielen Dank Martin für die hervorragende Führung der Tour. Dank auch an allen Mitstreitern: Helmut Felicia, Andi, Franziska, Katharina und Jonas. Es war mir ein Vergnügen mit Euch. Und ich behaupte, diese einmalige, abwechslungsreiche und fordernde Tour wird uns allen in Erinnerung bleiben.

Was wir heute gelernt haben:

  • Eine vermeidliche 6-7 Std Tour kann sich in Null-Komma-Nichts auf die doppelte Zeit hinziehen, wenn die Umstände entsprechend sind
  • Nicht jedem Geheimtipp eines Hüttenwirtes über die Wegfindung muss man Glauben schenken
  • Wetterglück ist oft essentiell für das Gelingen einer Tour – wir hatten an dem Tag unglaublich viel Glück.

(Text: Monika Hofmeister, Photos: Martin Peuckert, Andi Grünwald, Monika Hofmeister)